Ein Brief.

Im Jahr 2000 schrieb ich in der Schule einen Aufsatz wie ich mir mein Leben im Jahr 2020 vorstelle. Es war das Expo Jahr in Deutschland und im Rahmen dieser gab es Wettbewerb mit verschiedenen Aufgaben. Ich saß also da, 13 Jahre alt, und träumte so vor mich hin.

„Im Jahr 2020 bin ich 33 Jahre alt. Bis dahin wird sich die Welt verändert haben und auch viele neue Technologien sind entstanden. Mein Leben stelle ich mir jedoch einfach vor. Ich wünsche mir einen lieben, humorvollen Mann und zwei Kinder. Eine Arbeit die mich glücklich macht und ein süßes Haus mit einem Garten. Ein Hund wäre schön.“

So war also meine Zukunftsvision. Mein Haus, mein Garten, mein Mann, meine Kinder. Als mir knapp 5 Jahre später dieser Text in die Hände fiel, dachte ich nur: „Du törichtes Ding!“ Kinder? Mann? Geht´s noch? Die Welt wartet auf mich! Raus aus der Kleinstadt in Mecklenburg und rein in die unbekannten Weiten. Das war ein Plan, den ich mir vorstellte.

Heute denke ich: „Du dummes Mädchen!“. Ich dachte wirklich ich wusste was ich wollte, ich dachte ich hab den Plan gefunden. Aber wer will es mir verübeln? Mit 18 oder 19 Jahren schwebt der Kopf, das Herz fliegt durch den Himmel und die Euphorie wird wohl nie wieder so groß sein. Jugend ist etwas grenzenloses, etwas hysterisches, nicht greifbares. Zum Glück.Mit 21 schien mir die Welt fast schon zu groß. Seinen eigenen Platz zu finden ist schwer und den passenden Weg dazu noch viel, viel schwerer. Wenn dann noch ein blonder, gutaussehender Jüngling auftaucht, ist die Welt doch ziemlich schnell aus den Fugen. Doch manchmal muss sie auch erst auf den Kopf gestellt werden damit man sieht wie schön es ohne Ordnung ist.

Wenn ich mir heute diesen Text nehme, sitze ich auf meinem Sonnenplatz in unserem Haus. Hinter mir an der Wand sind Fotos von unserer Hochzeit, unseren Kindern und der Familie. Ich schaue mich um und sehe so viel Glück, das ich nicht erwartet, vielleicht auf das ich nicht ein mal zu hoffen gewagt habe. Ich möchte meinem 13 jährigen Ich über den Kopf streicheln und sagen, dass alles gut wird egal wie schwer es scheint. Alles geht vorbei und auch der schlimmste Schmerz wird irgendwann Erinnerung sein. Dem 19 jährigen Ich möchte ich eine Ohrfeige verpassen und ihr sagen sie soll von ihrem verdammt hohen Ross runter kommen. Die Welt wartet auf niemanden und wer etwas bewegen will muss es selber tun. Ein Highfive schicke ich an meinen 21 jähriges Ich. Wie gut, dass du durchgehalten hast. Wie sehr du für die Liebe gekämpft und geweint hast. Danke, für dein Durchhalten und Zähne zusammen beißen.

Jetzt bin ich hier. Ich liege gut im Plan. Haus, Mann und zwei Kinder. Am Job wird aktiv gearbeitet aber das schönste ist: Ich bin glücklich. Aus ganzem vollen Herzen ohne Abstriche und ohne schwere Gedanken. Ich war noch nie so sehr ich selbst, noch nie so sehr mit mir ihm reinen und ja ich bin stolz auf mich, auf meine Familie, auf meine Freunde. Ich bin unendlich dankbar für jede Sekunde die ich durchleben durfte und noch darf, für jedes Ereignis, das mich zu Boden riss und aus dem ich gestärkt herausging. Ich bin glücklich und damit werde ich nie wieder aufhören.

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