Kindergarten

Als wir nach Panketal zogen war ich voller Euphorie. Hier gibt es Kitaplätze, hier sind die doch anders drauf. Naja fast, also nein. Das erste halbe Jahr waren beide Kinder komplett zuhause und ich kurz vorm Durchdrehen. 4 Therapietermine die Woche und die Kinderbespaßung war dann doch etwas viel. Ich war so glücklich als der Bär endlich in die Kita gehen konnte aber leider war ein Platz für die Elfe lange nicht in Sicht.

Doch dann kam ein Stein ins Rollen. Eine neue Kita wurde gebaut. Mit Fahrstuhl und Integration und Heilpädagogen und und und. Ich bin die Wände hoch gegangen. Endlich ein Lichtblick aber es dauerte noch fast 9 Monate bis es endlich soweit war. Es gab Treffen mit der Leitung der Kita, Therapeuten und Erziehern. Alle zogen an einem Strang damit es funktioniert.

Dann war er da. Der erste Kindergartentag. Wir kamen rein und waren begeistert. Die Elfe bleib direkt 2 Stunden alleine und die Erzieher waren so liebevoll wie ich es mir nur wünschen konnte. Dann merkte die Lütte, das ist keine Spaßveranstaltung! Das ist bitterer Alltagsernst! Also dehnte sich unsere Eingewöhnung auf 12 Wochen mit Tränen, Wut und Abschiedsschmerz. Unterbrochen von Weihnachten, Norovirus, Winterferien und unterschiedlichen Erkältungskrankheiten. Wir setzten auf kleine Schritte. Nur der Morgenkreis alleine aber Essen mit Mama. Spielen mit der Gruppe, Therapie mit Mama. Ein sanftes Loslösen, ohne Stress und mit viel Verständnis von allen Seiten, gaben der Elfe die Sicherheit die sie brauchte. Im April konnte ich dann voller Stolz behaupten die Elfe ist ein Kindergartenkind.

Unser Morgenritual.

Meist sind wir die Letzten die völlig panisch in die Kita reinrennen weil der Aufräumgong schläg,t aber man kennt uns so. Falls wir doch mal früher kommen, sind ja doch nur alle irritiert. Never change a winning Team. Also rein und hoch zu der Garderobe. Ich setze mein Mädchen auf die Bank (ein großer Fortschritt! Alleine sitzen!) und dann höre ich sie kommen. Kleine Füße mit lauten Stimmen. „Elfe! Elfe! Elfe!“ dann fliegen Küssen, Händchen und großes Gelächter. Ihre Elfe ist da. Ich liebe diesen Moment. Sie ist da und niemand stellt etwas in Frage. Sie muss nicht laufen oder sprechen um mittendrin zu sein. Sie muss nur da sein. Ihre beste Freundin erzählt direkt vom neuen Kleid, ihr bester Freund von seinem Urlaub und dann Stille. „Boah du hast neue Schuhe Elfe!“, „Die sind voll toll!“, „Ich hab die gleichen! Wir sind Schuhschwestern!“ Das Gelächter wird größer und ich kann die Elfe kaum halten. Da kommt schon ihr Rolli wie jeden Morgen von ihrem kleinsten Freund gebracht. „Meine Elfe.“ klingt es ganz leise und zart. Sie haben sich sehr vermisst. Dann kommt auch schon ihr Erzieher um die Ecke. Ich bringe sie zu ihrem Gruppenraum, zwischen Tür und Angel noch schnell einen Kuss abluchsen und schon ist die Tür zu. Kein Weinen, kein Blick zurück. Ich könnte nicht glücklicher sein.

Das was unsere Kita leistet ist kein Standard. Es ist nicht selbstverständlich. Für mich bedeutet es unglaublich viel mein Kind morgens mit diesem guten Gefühl abgeben zu können. Zu wissen, dass sie gut betreut, gefördert und gesehen wird ist wertvoll und wichtig. Ich habe dort Menschen gefunden, die an meiner Seite kämpfen und offene Ohren und Augen haben. Menschen die Schwächen sehen aber Stärken fördern. Ich bin dankbar und erleichtert aber auch nachdenklich. Ich weiß diese Zeit dauert nicht ewig und die nächsten Schritte wollen gut überlegt sein. Wenn ich an Schule denke knüllt sich mein Magen zusammen. Aber ich habe auch Hoffnung. Wir werden einen Weg finden der für die Elfe optimal ist. Wir werden kämpfen und nicht aufgeben, einen Plan machen der sie voranbringt. Aufgeben ist keine Option.

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