Was bisher geschah…(1)

Was bisher geschah. So beginnen dramatische Rückblicke. Entspannt euch, atmet ein und aus. Ein kleiner Krankenhausrückblick.

Es ist 5.45 Uhr. Mein Wecker klingelt in 5 Minuten. Ich starre seit einer Stunde abwechseln an die Decke, aus dem Fenster und meinen Mann an. Es ist die erste Nacht seit 5 Woche die unsere Tochter durchschläft. Ich stehe leise auf, zieh mich an. Es geht los. Einatmen, Ausatmen.

Wir finden sofort einen Parkplatz. Rollstuhl, Koffer, Kissen. Durch die Drehtür, an der geschlossenen Cafeteria vorbei immer weiter runter den Gang. Oranger Bereich. Gartengeschoss. An der Tür steht „Bitte klingeln!“ Einatmen, Ausatmen.

Wir haben ein schönes Zimmer. Hell, groß und eigenes Bad. Krankenhausluxus. Die Ärzte kommen rein, schauen aufmunternd. Die Elfe strahlt ihren Lieblingsarzt an, hört aufmerksam zu. „Weißt du was wir machen Elfe?“, sie zeigt auf ihren Mund (trinken), legt sich auf ihre Faust (schlafen), zeigt auf Dr. D. und auf ihre Beine. Wir nicken uns zu. Richtig. Erst Dormicum, dann schläft sie ein, danach macht Dr. D. die Beine heil. Ich fahre ihr über das Haar und bin stolz. Nicht weinen. Atmen.

Sie schläft schon. Ganz schnell und mit einem Lächeln. Wir haben noch kurz gespielt. Dann ging alles ganz schnell. Umziehen, Sachen aufs Bett legen, Schlafsaft. 5 Minuten später sind wir schon in der Schleuse. Ich halte ihre Hand. Lass sie nicht los. Nicht weinen. Atmen. Die Narkoseärztin kommt. Sie ist fröhlich, verspricht mir auf die Elfe aufzupassen, Dr. D. klopft meine Schulter. Ein Kuss. Mr. Bär ist dabei liegt in ihrem Arm, ihre Locken kräuseln sich auf der Stirn. Ein Kuss noch.  „Drei Stunden. Wir rufen an.“ Sie gehen langsam mir ihr weg. Ich kann nicht atmen.

Ich laufe. Rechts Notaufnahme, links Strahlentherapie, Cafetria, Kiosk, Blumenladen. Buchladen! Da war ein Buchladen! Nein, der Buchladen ist jetzt eine Klinik für Schönheitschirugie. Welch Ironie. Lieber Brüste als Bücher. Ich muss schmunzeln. Blick aufs Handy. 20 Minuten sind vorbei. Das läuft ja gut. Kaffee und Netflix. Besser als nix.

„Sie können kommen. Die Elfe ist wieder da!“, ich drücke beim Auflegen auf den Knopf der Schleuse. Die Schwester schaut mich an. „Das war schnell!“ ich gehe grinsend an ihr vorbei. Da liegt sie. Schläft tief und fest, ganz leise schnarcht sie. Sie ist da. Sie ist wieder da! Es ist mir egal ob alles geklappt hat, was gemacht wurde. Sie ist wieder da. Ich atme tief ein an ihrem Haar ein. Sie ist da. Alles ist gut.

Die Ärzte kommen erklären den Verlauf und welche Schnitte gemacht wurden. Oberschenkelsehnen, Kniebeuger und Achillessehnen. Alles in einer Operation. Sie schläft noch. Ihre Beine sind eingegipst von der Ferse bis zur Hüfte, ihre Haut ist gelb vom Jod. Der Wackelzahn ist noch. „Es hat alles funktioniert. Keine Komplikationen. Sie war stark.“ Stark. Ja, das ist sie immer. Ich sitze neben ihrem Bett und beobachte abwechselnd sie und das treiben im Aufwachraum. Nach einer Stunden wird sie langsam wach. Ein Lächeln. Sie lächelt. Langsam kommt die Elfe zu sich und hat Hunger. Ich muss lachen. Hunger. Was sonst. Ach, meine Elfe. Du bist stark.

 

Ein Kommentar zu „Was bisher geschah…(1)

  1. Toll, dass die kleine Elfe die OP gut verkraftet hat. Nun sind seitdem schon wieder gut zwei Wochen vergangen. Ich wünsche der Elfe weiterhin gute Besserung und euch viel Kraft.

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