Was bisher geschah…(2)

Ihre Beine sind eingegipst. Vom kleinen Zeh bis zur Hüfte. Dazwischen ein Abspreizstab. 46cm ist er lang. Bequem sieht irgendwie anders aus aber sie hält aus. Die Stunden nach der Op ist sie benommen. Lacht wenig, schaut aus dem Fenster und döst vor sich hin. „Das sind die Medikamente. So hat sie keine Schmerzen.“ erklärt mir die Schwester. Ich nicke und beobachte die Elfe. Das Diazepam wirkt entspannend auf die Muskulatur. So können keine Spastiken einschießen und ihre Beine gegen den Gips drücken. Aber es macht benommen, müde, teilnahmslos. Als unsere Männer kommen schmunzelt sie aber mehr nicht. „Ich habe dich vermisst.“ der Bär kuschelt sich an sie. Sie kann nicht mal den Arm heben. Ihre Muskeln sind wie betäubt.

Der nächsten Tage sind gut. Wirklich gut. Die Medikamente helfen und mit jedem Tag bricht das fröhliche Mädchen durch. Ihr Körper ist noch schwach. Der Kopf will durch die Wand. Raus aus dem Bett. Spielen, basteln, raus gehen. Wir bekommen einen Liegebuggy und können endlich mehr machen als im Bett liegen. Die Elfe ist glücklich. Unsere Männer bringen uns frische Brötchen und Pizza. Es kommen Karte und Pakete. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus. So viel Liebe.

Die Nächte sind schrecklich. Sie weint im Schlaf auf vor Schmerzen. Jede Stunde. Der Kaffeeautomat ist mein Verbündeter. Partner in Crime morgens um fünf. Die Schwestern umsorgen uns liebevoll. Erklären, helfen, haben offene Ohren und bestärkende Worte. Wir schaffen das. Alles andere ist keine Option. Bei der Physiotherapie wird der Gips entfernt und sie darf ihre Schienen nehmen. Ich sehe die Narben und muss schlucken. Sechs große Narben. Jede 3 cm lang. Mein Mädchen. Mein starkes Mädchen.

Wir wollen nach Hause. Halten es kaum noch aus. Die Ärzte lächeln und sagen bald. Wir schauen uns an und wollen jetzt! Jetzt gleich! Gespräche. Diskussionen. Die Elfe gibt alles. Physiotherapie. Immer wieder ganz langsam bewegen. Ich halte ihre Hand. Nur noch einmal. Du schaffst das. Einmal strecken. Sie beißt sich durch und lächelt.

Freitag. 7. Tag post Op. Wir sitzen auf gepacktem Koffer. Visite. „Kleine Elfe! Du bist mein Wunder. Sowas wie dich habe ich noch nicht erlebt.“ Der Lieblingsarzt und ich strahlen uns an aber am lautesten lacht die Elfe. Es ist geschafft. Wir dürfen nach Hause. Die Schienen muss sie nun 24 Stunden tragen aber sie hält durch. Jeden Tag, jede Nacht. Kein Meckern, kein Schreien. Es ist einfacher als ich dachte. Es ist nicht leicht aber nicht unmöglich. Das liegt an ihr. An ihrem Kampfgeist. An ihrem Bruder, der sie anfeuert und Kraft gibt. An ihrem Papa, der sie trägt und bestärkt. An unserer Familie, an Freunden, an jedem guten Gedanken der zu uns geflogen kam. Danke für jeden guten Gedanken. Wir fliegen.

 

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