Nicht relevant.

Im letzten Jahr hat die Elfe heftige Operationen überstehen müssen. Die Sehnen in beiden Beinen wurde verlängert. 3 tiefe Schnitte in beiden Beinen, 4 Wochen Schienen 24/7. Danach wieder Muskelaufbau, mehr Training, intensive Physio. Das Ziel? Den Spitzfuss, der durch die verkürzten Sehnen immer mehr wurde, abschwächen wenn möglich beseitigen, die Hüfte entlasten und Druck rausnehmen. Im November die zweite Operation. Beide Oberschenkelknochen werden gebrochen und neu zusammengesetzt. Dadurch wurde die Fehlstellung der Hüfte korrigiert und kommende Schmerzen werden vermieden. Wichtiges Ziel: Sie kann besser stehen, laufen und sitzen. Denn wer kann das schon wenn man die Beine nicht beugen oder komplett strecken kann? Nicht belasten kann weil sie schmerzen?

Sie hat durchgezogen. Wir haben beigestanden und gehalten. Haben danach wochenlang intensive Physiotherapie gemacht und trainieren bis heute 4 mal die Wochen mindestens. Die Elfe ist eine Hochleistungssportlerin. Es könnte alles so gut sein, so leicht.

Damit sie in ihren Hilfsmitteln und Trainingsgeräten laufen und stehen kann braucht sie passende Orthesen um einer erneuten Fehlstellung vorzubeugen. Die einschießenden Spastiken sind durch die Operationen nicht verschwunden. Sie belasten die Struktur der Beine immer noch und das wird auch nicht aufhören. Also brauchen wir Orthesen. Welche die den Unterschenkel einfassen aber flexibel sind um eine Abrollbewegung ohne Schmerzen zu lassen. Gesagt, getan, beantragt. Abgelehnt.

Am Samstag erhielten wir einen Brief vom medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Ist sich ein Sachbearbeiter der Krankenkasse nicht sicher ob ein Hilfsmittel wirklich nötig und gebraucht ist (Hier kurzes Lachen einfügen. Hilfsmittel wer braucht die schon?), schickt er den Antrag zum MDK. Dort wird ein Arzt oder Pflegespezialist eine Beurteilung vornehmen. Klingt gut und logisch. Wenn ja, wenn diese Beurteilung nicht erfolgen würde ohne den Antragsteller jemals gesehen zu haben.

Ein Arzt hat die Orthesen abgelehnt. Hat die Elfe nie gesehen, untersucht oder mit mir gesprochen. Er hat zwei Krankenhausberichte gelesen und geurteilt. Er muss hellseherische Fähigkeiten haben, denn er hat Diagnosen und Prognosen gestellt, die wir noch nie gehört haben. Ein Gott in weiß. „kann von einer relevanten Gehfähigkeit nicht ausgegangen werden.“ Aha. „alternativ können Therapieschuhe eingesetzt werden.“ Aha. Ich bin beeindruckt. Dann sind natürlich der Trainingsläufer (in dem sie inzwischen 2 Stunden läuft) total falsch, das Therapierad mit dem sie fährt natürlich auch und vom Stehtrainer fangen wir lieber nicht an. Setzen wir das behinderte Kind doch einfach in den Rollstuhl. Fertig. So einfach. Schuhe an und gut. Schuhe? Ach, komm lass die Schuhe weg. Sie hat ja keine relevante Gehfähigkeit.

So sitze ich hier und schreibe einen Widerspruch. Nett und freundlich erkläre ich alle Hilfsmittel, alle Therapie, Operationen und Fortschritte. Mal wieder und denke mir wie einfach es wäre, würde dieser Gott in weiß sich zu uns Normalsterblichen herablassen und mit uns reden. Aber das ist wohl nicht relevant.

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